Karl Ballmer:

Deutschtum und Christentum – in der Theosophie des Goetheanismus (1935)

Cover: Ballmer, Deutschtum und Christentum

Verlag Fornasella, Besazio (Schweiz)
Zweitausgabe 1995
Vorwort von Hans Gessner (1966)
133 Seiten, ISBN 88-86489-00-5

In der von der „Volks-“ und „Rassen-“ Ideologie bestimmten Situation des nationalsozialistischen Deutschland (Hamburg 1935) versucht Ballmer in dieser Schrift, auf tiefere Aspekte des öffentlichen, von nicht geringen Leidenschaften genährten Kampfes zwischen Deutschtum und Christentum hinzuweisen.

Der Ort, wo „Deutschsein“ einen geistig irgend gehaltvollen Inhalt bekommen kann – nämlich als Fortführung der unvollendeten Gedankenerhebung des Deutschen Idealismus – , ist der gleiche, wo das Christentum sich modernen Bedingungen stellt: Steiners Theosophie. Um die Vereinbarkeit von Eigenverantwortlichkeit des denkerischen Wahrheitswillens und Christentum sehen zu können, muss allerdings anhand des vortheosophischen Frühwerks die Frontstellung Steiners gegen den Theismus herausgearbeitet werden.

Steiner errichtet das umfassende Weltgebäude der Theosophie und Anthroposophie als die Beschreibung des Weltprozesses der Menschwerdung des (heiligen) Geistes, der keine Abstraktion bleibt, sondern als die konkrete Anschauung eines vollkommenen makrokosmischen Übersinnlichen Menschen auftritt. Post factum kann sich an diesem autonomen Akt des Geistes die Besinnung darauf einstellen, dass das Thema dieser Theosophie zugleich die Zentralvorstellung des Christentums in sich begreift. Das auf bloße Tradition gegründete Christentum muss die Menschwerdung zu den offenbarten Glaubensinhalten rechnen, die der Vernunfterkenntnis nicht zugänglich sind. Steiners Kühnheit, Mut und Verantwortungsfähigkeit waren groß genug, seine Theosophie als Christentum gegenwärtiger Begründung zu lehren.

Ein zweiter Hintergrund, vor dem Ballmer in dieser Schrift seine weltanschaulichen Positionen schärft, ist die Philosophie Martin Heideggers als damals repräsentative Zeiterscheinung.