„Entartete Kunst“

Ab 1. November 2014 macht die TAZ erstmalig das von den Nazis angefertigte Gesamtverzeichnis ihrer Aktion „Entartete Kunst“ öffentlich durchsuchbar: Siehe hier.

Zu Karl Ballmer findet sich der unten wiedergegebene Eintrag zu den aus dem Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe entwendeten Werken. Es ist unklar, worauf sich das „G.“ („Ballmer, G.“) bezieht; das Verzeichnis enthält sonst fast nirgendwo Vornamen der Künster, auch nicht in abgekürzter Form. Zweifelsfrei handelt es sich um Bilder Karl Ballmers. Dies korrespondiert mit den Angaben von Beat Wismer im Bildband „Karl Ballmer – Der Maler“, wo es heißt:

1937 beginnt die „Säuberung des Kunsttempels“: Die bedeutende Sammlung der Moderne, die Sauerlandt für das Museum für Kunst und Gewerbe aufgebaut hat und die seit seiner Entlassung magaziniert ist, verschwindet endgültig. Am 27. August 1937 werden aus dem Museum insgesamt 217 Skulpturen, Zeichnungen, Grafiken und kunstgewerbliche Arbeiten nach Berlin geschafft, darunter auch neun grafische Arbeiten von Karl Ballmer. Dessen Gruppe, die zwischen 1930 und 1932 ins Museum gekommen ist, umfasst fünf Originale, zwei Pauszeichnungen und zwei Radierungen. Während die Originale (in Aquarell, Öl und Pastell) verschollen – wohl vernichtet – und uns unbekannt sind, lassen sich zumindest drei der vier reproduktionsgrafischen Werke identifizieren (Abb. S. 63).

Die drei abgebildeten Werke werden dort bezeichnet als „Kopf (Lotte Sauerlandt)“ (Radierung), „Binnenalster“ (Monotypie) und „Gestalt“ (Pauszeichnung, Tusche und Kohle).

Die Provenienzforscherin Carolin Lange schreibt in ihrem Beitrag „Flucht aus Deutschland“ im Bildband „Karl Ballmer – Kopf und Herz“ (S. 181, Anm. 3):

„In den Unterlagen des Reichsministeriums taucht Ballmer fälschlicherweise unter «Ballmer G.» auf. Die neun Werke wurden mit einem ‹X› versehen, was heisst, dass sie vernichtet werden sollten. Es ist unklar, ob dies tatsächlich geschehen ist.“

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Zum Thema siehe auch unsere Seite zum „Münchener Kunstfund“ (Beziehung Ballmer / Familie Gurlitt).