Zur Verbindung von Hildebrand Gurlitt und Karl Ballmer

Im Zusammenhang mit dem „Schwabinger Kunstfund“, der im November 2013 publik wurde, rückt die Verbindung zwischen Hildebrand Gurlitt (siehe Berichterstattung in den Medien) und Karl Ballmer ins öffentliche Interesse – unter anderem durch die von der Zeitung „Schweiz am Sonntag" (Bericht von Samstag, 09.11.2013) recherchierte angebliche Schenkung zweier Bilder (Chagall, Picasso) von Ballmer an Gurlitt.

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Die Berner Zeitung schrieb am 9. Mai 2014 nach dem Tod von Cornelius Gurlitt zur Frage, warum er seine bedeutende Sammlung dem Kunstmuseum Bern vermachte: „Verbürgt ist, dass Cornelius Gurlitt und sein Vater Hildebrand Gurlitt der Schweiz eng verbunden waren, geschäftlich und auch privat – namentlich mit dem Tessiner Künstler Karl Ballmer.“

In der Tat gab es eine tragfähige Freundschaft zwischen dem Kunsthändler Hildebrand Gurlitt und Karl Ballmer, die die gemeinsamen Hamburger Jahre überdauerte. Bekannt ist die Vermittlungstätigkeit Ballmers 1939 in Basel, der Zwischenstation des Ehepaars Ballmer bei der Rück-Emigration ins Tessin. Im Bildband „Karl Ballmer – Der Maler“ heißt es:

Mitte September 1938 übersiedeln Ballmers von Hamburg nach Basel, wo sie zuerst Wohnsitz nehmen. Durch seine Beziehung zu Dr. Gurlitt spielt Ballmer hier im Frühjahr 1939 offenbar eine wichtige Rolle in der Vermittlung von „entarteter“ Kunst für das Basler Kunstmuseum. So wird etwa die Provision für das durch Gurlitt vermittelte Bild „Tierschicksale“ von Franz Marc über Ballmer an den Kunsthändler bezahlt. Über seine Vermittlerrolle hinaus entwickelt sich für den Maler Ballmer daraus aber keine fruchtbare Beziehung zu Schweizer Museumsleuten; in einem Brief vom 6. Dezember 1947 an Alice Sauerlandt schreibt er zu diesem Punkt: „Dr. Gurlitt hatte s. Zt. den Direktor des Basler Museums (Dr. Georg Schmidt) und den Leiter des Zürcher Kunsthauses (Dr. Wartmann) auf mich aufmerksam zu machen versucht, bei meiner 'Rückwanderung'; die betreffenden Herren und andere sind indessen anscheinend der Meinung, ich hätte bei der langen Schlange der auf Caritas hoffenden Maler hinten anzuschließen, um abzuwarten, ob einer der gnädigen Herren mal die Laune hat, sich mit meinen Sachen zu befassen. Solches Schlangestehen war nicht mein Genre."

Nach dem Krieg wurden die beiden Gurlitt-Kinder (Cornelius und Renate oder „Benita“, verstorben im Mai 2012) dann für ein halbes Jahr zu Ballmers in den Tessin zur Pflege gegeben. Vater und Sohn besuchten auch später mehrere Male gemeinsam Karl und Katharina Ballmer.

Im Bildband wird an anderer Stelle Hildebrand Gurlitt fälschlich als Sohn von Prof. Ludwig Gurlitt bezeichnet. Dieser war jedoch sein Onkel. Ballmer korrespondierte in den Jahren 1929/1930 auch mit Ludwig Gurlitt und seinen beiden Söhnen Helmut und Winfried; hier ging es um anthroposophische Themen. Der Vater, bekannter Altphilologe und Reformpädagoge, hatte sich im hohen Alter der Anthroposophie zugewandt, die beiden Söhne wurden später aktive Mitglieder der anthroposophischen Bewegung.

Weitere Informationen zu diesem Thema enthält der Bildband zu den Ausstellungen 2016/2017.