[Aus der Website des Aargauer Kunsthauses (www.ag.ch/kunsthaus/de/pub/sammlung/bild_des_monats.php)]

Bild des Monats

November 2007

Karl Ballmer: Kopf in Rot. Um 1930/1931

Karl Ballmer: Kopf in Rot

Karl Ballmer: Kopf in Rot. Um 1930/1931. Tempera und Öl auf Sperrholz, 67 x 59.5 cm, Ankauf durch den Aargauischen Kunstverein, 1971. Aargauer Kunsthaus Aarau.

Karl Ballmer (1891 – 1958) verbrachte Kindheit und Jugend in Aarau. Seine Ausbildung absolvierte er an der Malschule am Gewerbemuseum in Aarau, an der Allgemeinen Gewerbeschule in Basel wie auch an der Kunstakademie in München. Seine künstlerische Heimat jedoch fand er in Hamburg, wo er ab 1922 lebte. Hier war er ab Ende der 1920er Jahre als eigenständiger Künstler der Hamburger Avantgarde anerkannt und wurde zu den wichtigen Ausstellungen neuer Kunst eingeladen. Hier wurde er auch Mitglied der ansässigen Sezession. In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre bewirkte jedoch die deutsche Naziherrschaft in Karl Ballmers Biografie einen radikalen Bruch. Mit einem Berufsverbot versehen wurde er ab 1936 zum „entarteten“ Künstler deklassiert. Seine gleichzeitige Mitgliedschaft bei der verbotenen Anthroposophischen Gesellschaft und die jüdische Frau an seiner Seite steigerten die Gefährlichkeit des deutschen Terrains zusätzlich, sodass sich Karl Ballmer auf seine schweizerische Herkunft berief und Hamburg im Herbst 1938 in Richtung Schweiz verliess. Hier war er ein Fremder und er geriet zusehends in Vergessenheit. Im Tessin lebend, von der Schweizer Kunstszene isoliert, nahm er erst Mitte der 1940er Jahre die Malerei zaghaft wieder auf. Einsam und praktisch unbeachtet arbeitete er während der letzten zehn Lebensjahre an einem düster-pessimistischen Spätwerk. Karl Ballmer ist als mehrfacher Grenz- und Einzelgänger gleich in doppelter Hinsicht zu einer Monade im Kosmos der Moderne geworden: durch seine Haltung ebenso wie durch seine Biografie. Heute befindet sich ein Grossteil seines Nachlasses, der von einer Stiftung betreut wird, im Aargauer Kunsthaus. 1960 und 1991 widmete das Aargauer Kunsthaus Karl Ballmer je eine grosse Retrospektive. Zudem publizierte das Aargauer Kunsthaus 1991 die erste Monographie des Künstlers überhaupt. Gleichwohl ist von Karl Ballmers Werk bis in die heutigen Tage hinein vor allem das Gemälde Kopf in Rot bekannt. Das Bild ist um 1930/1931 in Hamburg entstanden, als Ballmer sich in seiner vielleicht kreativsten Phase als Maler befand. Karl Ballmer verstand sich zeitlebens nicht nur als bildender Künstler, sondern immer auch als philosophierender, vor allem von Rudolph Steiner beeinflusster Schriftsteller und Publizist. Dabei wollte er jedoch seine philosophischen und seine künstlerischen Äusserungen stets getrennt wissen. Dennoch lässt sich das Bildnis Kopf in Rot auch als philosophisches Selbstporträt verstehen.

Bildbetrachtung mit Isabel Zürcher

Jeden Dienstag im November 2007 (6.11./13.11./20.11./27.11.), jeweils 12.15-12.45 Uhr