[Aus der Website des Hamburger Abendblatt. Originaladresse am 01.09.2005: http://www.abendblatt.de/daten/2005/08/31/476800.html]

Zwischen Aufbruch und Verfolgung

Sezession: Das Museum für Kunst und Gewerbe erinnert an die Hamburger Künstlergruppe. Etwa 70 Aquarelle zeigen Modernität und stilistische Vielfalt der Sezessionisten.

Von Matthias Gretzschel

Hamburg – Von heute an sind im Museum für Kunst und Gewerbe Aquarelle von Mitgliedern der Hamburgischen Sezession zu sehen. Mit mehr als 70 Arbeiten, die zum größten Teil aus der Sammlung der Hamburger Sparkasse, in einigen Fällen aber auch aus anderen Museen und von privaten Leihgebern stammen, zeigt die Schau, mit welch großer stilistischer Vielfalt sich die Sezessionsmitglieder in den 20er und 30er Jahren dem Aquarellieren widmeten.

Den Angehörigen der 1919 in Hamburg gegründeten Künstlergemeinschaft, die sich 1933 selbst auflöste, weil sie nicht bereit war, ihre jüdischen Mitglieder auszuschließen, ging es um eine Erneuerung der Kunst, nicht um einen gemeinsamen Stil. Angeregt wurden die Sezessionisten unter anderen von Matisse, aber auch von deutschen Expressionisten wie Schmidt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde.

Zu den schönsten Blättern der Ausstellung gehören einige herbe und menschenleere, in zurückhaltender Farbigkeit gehaltene Landschaften von Kurt Löwengard. Auch von Anita Rée sind Landschaftsbilder zu sehen – kubistisch strukturierte Kompositionen von großer Farbkraft.

Wie Löwengard und eine ganze Reihe weiterer Sezessionsmitglieder ist Anita Rée auch in der Ausstellung "Ausgegrenzt" vertreten, die zeitgleich in der Kunsthalle an die in der NS-Zeit verfemten Künstler erinnert.

Die Jüdin Anita Rée nahm sich 1933 in Kampen auf Sylt das Leben. Ihrer Künstlerkollegin Gretchen Wohlwill gelang 1940 noch die Flucht ins portugiesische Exil. Im August 1938 hat Erich Hartmann ein Aquarell geschaffen, das Gretchen Wohlwill beim Aquarellieren am Strand zeigt - eine heitere und unbeschwerte Szene, die nichts von der schrecklichen Wirklichkeit dieser Zeit ahnen läßt.

"Es ist immer wieder erschütternd, wenn man sich mit den Schicksalen der jüdischen Sezessionskünstler beschäftigt", sagt Ausstellungskuratorin Annette Baumann. Die Kunsthistorikerin konzipierte die Ausstellung im Rahmen ihres zweijährigen Max-Sauerlandt-Volontariats. Dieses wissenschaftliche Volontariat, das an den zweiten Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe erinnert, wird von der Hamburger Sparkasse finanziert. Die Stelle dient zur wissenschaftlichen Bearbeitung der Kunstsammlung, die die Haspa dem Museum für Kunst und Gewerbe als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat.

Steintorplatz, bis 2. Oktober, di-so 10-18, do bis 21 Uhr.

Erschienen am 31. August 2005