Biographische Notiz: Karl Ballmer

von Johannes Grebe

Die Originaladresse dieses Textes war: http://www.buecher-kannenberg.de/buecherei/texte/ballmer.html

Karl Ballmer (1891 in Aarau - 1958 in Lugano) war Maler und Schriftsteller. Er begegnete 1918 Rudolf Steiner. Von dieser Begegnung aus organisiert sich das ganze weitere Leben. Er lebt für zwei Jahre in Dornach, hält bei dem ersten Hochschulkurs im Oktober 1920 der Aufforderung R. Steiners folgend drei Vorträge über Kunst und verlässt den Ort Ende 1920, nachdem er im Zusammenhang der massiver werdenden Angiffe gegen Steiner für diesen öffentlich Stellung beziehend die Rückendeckung der Gesellschaft verliert. Über Umwege gelangt er nach Hamburg, wo er sich zunächst einem intensiven Studium des Werkes Rudolf Steiners und der zeitgenössischen Philosophie, insbesondere der protestantischen Theologie, unterzieht. Rudolf Steiner ins wissenschaftliche Gespräch zu bringen ist das Ziel, das er mit unvorstellbarem Arbeitsaufwand unter z.T. entbehrungsreichen Lebensbedingungen verfolgt. Nach sieben Jahren des Studiums tritt er im März 1928 mit den Rudolf Steiner-Blättern an die Öffentlichkeit, sich wendend an diejenigen Menschen, die Willens und fähig sind, das „Ereignis Rudolf Steiner“ denkend zu bewältigen. Drei oder vier Ausgaben erscheinen, das Echo ist gering, Ballmer steht vor dem finanziellen Ruin.

Er malt, nimmt zunehmend am künstlerischen Leben im Hamburg teil. Max Sauerlandt wird sein Förderer. In der letzten Vorlesung 1933 über moderne Kunst setzt er sich für Ballmer, der inzwischen Mitglied der Hamburger Sezession geworden ist, nachdrücklich ein. Die Arbeitsverhältnisse für Ballmer, der einen zunehmenden geistigen Einfluss auf die Künstler-Bewegung der Hamburger Sezession zu entfalten beginnt (was z.B. in Bildern Eduard Bargheers deutlich nachzuvollziehen ist), werden jedoch im Hitlerdeutschland immer schwieriger. Seine Lebensgefährtin Katharina van Cleef ist Jüdin. 1936 wird ihm Arbeitsverbot erteilt; sie verlassen 1938 Hamburg und kehren in die Schweiz zurück. Hier in Lamone (bei Lugano) verbringt er malend und schreibend seine letzten 20 Lebensjahre in fast vollständiger Einsamkeit. Zahlreiche Schriften entstehen zu Physik, Philosophie, Theologie als Anthroposophie. Ausgangspunkt sind oftmals Briefwechsel mit zahlreichen Personen des wissenschaftlichen Lebens im In- und Ausland. Mit schier unbeschreiblicher Arbeitsintensität verfolgt er das politische Geschehen der Welt, nimmt am wissenschaftlichen Gespräch teil, schreibt ungezählte Artikel, Erwiderungen, Leserbriefe in verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften. Seine Beiträge zielen dabei immer kompromisslos aufs Grundsätzliche; er ist kein Systematiker, kein Akademiker, er ist Autodidakt, verfügt über ein immenses natur- und geisteswissenschaftliches Wissen; sein Denken ist ein ausgesprochen künstlerisches, lebendiges, was hier durchaus in dem oft vorbeiverstandenen Sinne der „Philosophie der Freiheit“ Rudolf Steiners gemeint ist. Dadurch ist das anthroposophische, philosophische oder theologische Niveau oft sehr hoch, es kommt beim Leser zu empfindlichen Selbstbegegnungen, bei denen es dann oftmals bleibt. Das Ereignis Karl Ballmer kann als Konfrontation, vielmehr als künstlerisches Ineinanderarbeiten einer jahrzehntelangen existentiellen Orientierung innerhalb der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners und dem Welt-Geschehen, an dem er teilnimmt, angeschaut werden.