[Aus der Website des (Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg)]

HAMBURGISCHE SEZESSION 1919-1933

22. Mai bis 26. Oktober 2003

Zu Ihrem 175-jährigen Firmenjubiläum erweiterte die Haspa im Jahre 2002 ihre Kunstsammlung mit 250 Werken von Malern der „Hamburgischen Sezession“ aus der „Sammlung Bunte“. Diese bedeutenden Exponate -   mehr als 50 Ölgemälde und fast 200 Radierungen, Holzschnitte und Aquarelle - werden dem Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt und in etappenweisen Ausstellungen der Öffentlichkeit präsentiert. Den Auftakt macht eine Schau mit ca. 12 Exponaten. In einer ersten Auswahl der Werke soll ein Einblick in die Vielfältigkeit der Hamburgischen Sezession gewährt werden: Mit Landschaften von Eduard Bargheer und Willem Grimm, Portraits von Anita Rée und Friedrich Ahlers-Hestermann, Stillleben von Emil Maetzel und Dorothea Maetzel-Johannsen. Skulpturen des der Sezession nahe stehenden Bildhauers Richard Haizmann und eine Holzskulptur von Erich Heckel aus dem Bestand des Museums ergänzen diese Auswahl.

Gezeigt werden diese Werke im „Sauerlandt-Raum“. Max Sauerlandt  war von 1919 bis 1933 Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg. Er setzte sich für viele Künstler der „Hamburgischen Sezession“ programmatisch ein und baute im Museum eine eigene Sammlung auf. Diese wurde im Jahre 1937 vom NS-Regime als „entartet“ eingezogen. Mit der jetzt neuen Sammlung im Museum für Kunst und Gewerbe wird somit an eine von Sauerlandt begründete Tradition angeknüpft. Das Museum eröffnet damit kein neues Sammelgebiet, nutzt aber die Möglichkeit, freie und angewandte Kunst der zwanziger und dreißiger Jahre in gegenseitiger Ergänzung zeigen zu können.

Prof. Dr. Hermann-Josef Bunte begann vor etwa 30 Jahren mit dem Sammeln von Kunst und legte einen Schwerpunkt auf die Hamburgische Sezession. Diese bedeutende Künstlergruppe aus der Zeit der Weimarer Republik war für Hamburg und den umliegenden Raum von außerordentlicher Bedeutung.

Sie wurde 1919 mit dem Ziel gegründet wurde, einander geistige Anregung und Unterstützung zu bieten: „Der Künstler, der schaffen soll, kann nur in einer bestimmten Atmosphäre gedeihen. Es ist ihm Lebensnotwendigkeit, um sich ein Milieu zu haben, in dem er geistige Reibung, Verständnis und damit Unterstützung zum mindesten bei Gleichgesinnten findet. In Paris, München, Berlin findet der Künstler diese Atmosphäre. In Hamburg vermisst er sie. Aus dieser Erkenntnis heraus schlossen sich junge Hamburger Künstler zu einer Gemeinschaft zusammen, die ihnen ein solches Milieu schaffen soll.“ So stand es im ersten Ausstellungskatalog der Gruppe.

Die Hamburgische Sezession -  Eduard Bargheer, Rolf Nesch, Anita Rée und etwa 30 weitere Künstler, verarbeitete in ihren Werken ganz unterschiedliche Anregungen: Der Einfluss Munchs ist in vielen Werken Bargheers zu erkennen, beispielsweise in dem Hafenbild „Ankunft in der Nacht“. Das Interesse der Expressionisten an afrikanischer Skulptur schlägt sich in den Werken von Emil Maetzel und Dorothea Maetzel-Johannsen nieder. Auch die  Künstlergruppe „Die Brücke“ oder das Werk Cezannes waren für viele Sezessionisten von großer Bedeutung, wie in den Portraits von Friedrich Ahlers-Hestermanns sehr deutlich zu sehen.

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Anita Rée, Mädchenbildnis, vor 1922

So verschiedenartig wie die Einflüsse waren auch Themen und Techniken, wie sie in den nächsten Präsentationen zu sehen sein werden: Rolf Nesch Darstellungen der Hamburger Brücken zeigen große Eigenständigkeit in seinen Experimenten mit der Radierung. Arnold Fiedler schuf surreal und beängstigend anmutende Graphiken von „Revolution“ „Traum“ und „Begierde“ und doch auch idyllisch anmutende Holzschnitte wie die „Finkenwerder Fischerhäuser“. Fritz Flintes Stillleben, Otto Tetjus Tügels „Kubistische Stadtlandschaft“ und Anita Rées rhythmisch strukturierte „Gärten in Positano“ lassen sich kaum unter einen Stilbegriff zusammenfassen. Allein die künstlerische Qualität war das Auswahlkriterium für die gemeinsamen Ausstellungen der Gruppe, die sich innerhalb der „Hamburgischen Künstlerschaft“ als Elite verstand. Nicht regionale Verbundenheit, sondern Offenheit auch für moderne, auch internationale Kunst war ihr Anliegen. Daher zeigten sie auf ihren Jahresausstellungen auch Werke beispielsweise des „Blauen Reiter“, Picassos, Giorgio de Chiricos und Joan Mirós.

"Wir müssen hier in Hamburg eine Freistätte haben, wo unabhängig von dem Willen und der Laune des Kunsthandels, unabhängig von dem Willen und der Laune offizieller Kreise junge und jüngste Kunst sich öffentlich zeigen kann.“ hatte Friedrich Wield, der erste Vorsitzende der Sezession 1922 gesagt. Bis 1933 konnte diese Freistätte bestehen, dann führte die Forderung der Nationalsozialisten, die jüdischen Mitglieder auszuschließen, zur Selbstauflösung der Gruppe. Nach 1945 schloss sich ein Teil der Mitglieder wieder zusammen. Doch andere, darunter Karl Ballmer, Eduard Bargheer und Rolf Nesch, blieben zunächst im Ausland. Anita Rée hatte sich bereits 1933 das Leben genommen. Die Hamburgische Sezession konnte in ihrer neuen Zusammensetzung nicht an die frühere Bedeutung anschließen.