General-Anzeiger (Rhauderfehn), Ausgabe vom Samstag, 04. März 2000

Engagement für Maler der "verschollenen Generation"

Kunsthalle Wilhelmshaven zeigt die Sammlung von Hermann-Josef Bunte

WILHELMSHAVEN. "Umstände, über die wir keine Macht haben, machen es erforderlich, die Hamburgische Sezession aufzulösen ...", mit diesen Worten eröffnete der Maler Ivo Hauptmann die letzte Mitgliederversammlung der Hamburgischen Sezession am 16. Mai 1933. NS-Ideologie und Verfolgung beherrschten seitdem das künstlerische Schaffen einer ganzen Generation von Malern, die sich gegen Ende des 1. Weltkrieges in der Hamburger Sezession zusammengeschlossen hatten. Ihr Schicksal bildet einen wichtigen Ausgangspunkt für die Sammlungstätigkeit des in Hamburg lebenden Juristen Dr. Hermann-Josef Bunte, dessen Bilder demnächst in Wilhelmshaven zu sehen sind.

Die Ausstellung in der Kunsthalle wird am 12. März eröffnet und dauert bis zum 23. April. In seiner nun seit nahezu 30 Jahren anwachsenden Sammlung bilden die Werke der Hamburger Sezessionisten einen Schwerpunkt. Namen wie Paul Kayser, Ivo Hauptmann, Fritz Flinte, Gretchen Wohlwill, Rolf Nesch, Karl Klutz und Eduard Bargheer markieren dabei nur einige Positionen.

Bunte verfolge den Weg jener Künstler weiter, indem er zu den Werken der Sezessionszeit auch Bilder aus den Nachkriegsjahren und der Zeit des Neubeginns in den 40/50er Jahren erwarb. Damit folge er einer engagierten individuellen Konzeption, jenen Künstlerpersönlichkeiten Beachtung und Wertschätzung zukommen zu lassen, die durch die Zeitumstände ins Abseits gedrängt wurden, heißt es in der Pressemitteilung der Kunsthalle.

Dieser Entschluss "wenig betretene Pfade zu beschreiten" (Heinz Spielmann im Vorwort zum Katalog "Die Sammlung Bunte" Hamburg und Cismar 1996, S. 12) bedeutet für Hermann-Josef Bunte, sich auf die bedeutenden Werke jener Künstler der häufig so bezeichneten "verschollenen Generation" zu konzentrieren. So umfasst seine Sammlung deutsche Malerei des Spätimpressionismus, des Expressionismus, der 30- / 40-er Jahre, des Informel und des expressiven Realismus.

Das Interesse Hermann-Josef Buntes gilt aber auch der jüngeren Kunst. Seit den späten 70-er Jahren ist er auf der Suche nach Malerei des Neuen Realismus, der in Norddeutschland von den Malern der "Zebra"-Gruppe und deren Umfeld vertreten wird (Peter Nagel, Dieter Asmus, Dietmar Ulrich, Nikolaus Störte-becker und Heiner Altmeppen).

Die in der Kunsthalle in Wilhelmshaven gezeigte Auswahl an Bildern des 20. Jahrhunderts umfasst rund 80 Exponate, geschaffen von Paul Kayser, Fritz Flinte, Alexandra Povorina, Ivo Hauptmann, Heinrich Stegemann, Karl Ballmer, Karl Kluth, Rolf Nesch, Eduard Bargheer, der Gruppe "Zebra" und Heiner Altmeppen.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 12. März, um 11.30 Uhr eröffnet. Am Sonntag, 9. April, findet in der Kunsthalle Wilhelmshaven ein öffentliches Künstlergespräch mit Heiner Altmeppen statt.