Verlorene Nähe – Bilder vom Menschen in der Malerei des 20. Jahrhunderts.

Sammlung Bunte im Kunsthaus Kaufbeuren - 22. März bis 9. Juni 2002

Originaladresse dieses Dokuments: www.kunsthaus-kaufbeuren.de/presse.htm (dort auch Bildmaterial)

Die Ausstellung „Verlorene Nähe“ zeigt Ansichten des Menschseins: Porträts und Selbstporträts, die Darstellung von Beziehungen, die Auseinandersetzung mit Religion und mit Menschen am Rande der Gesellschaft sowie die Verarbeitung von Krieg und Leid.

Die Mehrzahl der in der Ausstellung vertretenen Künstler sind gegen Ende des 19. Jahrhunderts geboren. Ihre Ausbildung beginnen sie kurz vor bzw. kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Sie orien­tieren sich in ihrer Malerei an den berühmten Expressionisten der ersten Generation wie Karl Schmidt-Rottluff oder Ernst-Ludwig Kirchner. Aufgrund dieser stilistischen und motivischen Nähe werden sie zur zweiten Generation des Expressionismus gezählt. Die Umwälzungen des 20. Jahrhunderts erleben sie bewusst mit: den Ersten Weltkrieg, den Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg und die bundesrepublikanische Nachkriegszeit.

Drei der in der Ausstellung vertretenen Künstler sind im Ersten Weltkrieg gefallen, sie hatten damit kaum eine Chance, als Künstler zu reüssieren. Viele der anderen können ihre Künstlerkarriere erst in den zwanziger Jahren beginnen. Sie finden in den Sezessionen Beachtung und erreichen Ende der zwanziger Jahre erste überregionale Anerkennung. Repressalien und Arbeitsverbote durch die Nationalsozialisten versperren ihnen jedoch den weiteren Aufstieg. Die jüngeren werden als Soldaten eingezogen, die älteren oftmals zum Volkssturm. Damit ist eine kontinuierliche Fortführung ihres Werkes nicht gegeben. Viele von ihnen verlieren im Bombenhagel ihre Ateliers mit allen Kunstwerken. In der Nachkriegszeit erleben sie als gegenständlich arbeitende Maler keinen Durchbruch, weil sie sich der vorherrschenden Abstraktion nicht anschließen. Die Ausstellung präsentiert somit Zwischentöne der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Die Auswahl von rund 130 Werken stammt aus der Sammlung von Hermann-Josef Bunte. Er sammelt Werke von Künstlern, die eher am Rande der Kunstgeschichte stehen. Er sucht die „zu Unrecht verschollenen Werte“ (Zitat Bunte). Der Jurist hat sich ein Sammelgebiet gesucht, in dem er mit privaten Mitteln eine Kollektion von Rang aufbaute. Seine Sammlung umfasst mittlerweile rund 650 Werke.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog zum Preis von 14,50 Euro.

Künstler:

Friedrich Ahlers-Hestermann, Heiner Altmeppen, Dieter Asmus, Karl Ballmer, Eduard Bargheer, Peter August Böckstiegel, Henning Edens, Arnold Fiedler, Fritz Flinte, Hermann Freudenau, Friedrich Karl Gotsch, Willem Grimm, Richard Haizmann, Alfred Heinsohn, Edmund Daniel Kinzinger, Karl Kluth, Emil Maetzel, Dorothea Maetzel-Johannsen, Rolf Nesch, Hans Ohlms, Karl Opfermann, Anita Rée, Walter Alfred Rosam, Ernst Sagewka, Herbert Spangenberg, Heinrich Stegemann, Hermann Stenner, Victor Tuxhorn, Dietmar Ullrich, Erwin Wendt, Josef Alfons Wirth

Laufzeit:

Freitag 22. März bis Sonntag 9. Juni 2002.