Ausgelöschtes Kapieren, Zappligkeit, Sklerose:
Rudolf Steiner über das Internet

Dieser Textausschnitt ist einer Vortragsnachschrift aus dem „Landwirtschaftlichen Kursus“ Rudolf Steiners entnommen („Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft“, Juni 1924, Band 327 der Rudolf Steiner Gesamtausgabe, Dornach, S. 220). Obenstehende Überschrift ist natürlich von uns.

Im Rahmen einer Fragenbeantwortung fragte ein Zuhörer: „Ist es erlaubt, Futtermassen durch den elektrischen Strom zu konservieren?“ Darauf gab Steiner folgende Antwort:

Was möchten Sie dadurch erreichen? Da muss man natürlich hinblicken auf die ganze Rolle der Elektrizität überhaupt in der Natur. Es ist doch, ich möchte sagen, trostvoll, dass jetzt schon von Amerika herüber, wo überhaupt eine bessere Beobachtungsgabe auftritt wie in Europa, dass von Amerika herüber Stimmen kommen, welche dahin gehen, dass gesagt wird, die Menschen können nicht in derselben Weise sich weiterentwickeln, in einer Atmosphäre, die nach allen Seiten von elektrischen Strömen und Strahlungen durchzogen ist, sondern das hat einen Einfluss auf die ganze Entwickelung des Menschen. Das Seelenleben wird ein anderes werden, wenn diese Dinge so weit getrieben werden, wie man es eigentlich vor hat. Es ist schon ein Unterschied, ob Sie irgendein Gebiet mit Dampfmaschinen, Dampflokomotiven für die Eisenbahn versehen, oder ob Sie es elektrifizieren. Der Dampf wirkt hier mehr bewusst, die Elektrizität wirkt furchtbar unbewusst ein, und die Menschen wissen gar nicht, woher gewisse Dinge kommen. Ganz zweifellos geht da eine Entwickelung in der folgenden Richtung, wenn ich jetzt berücksichtige, dass die Elektrizität ja oberirdisch verwendet wird als strahlende Elektrizität, aber auch als leitende Elektrizität, um möglichst rasch Nachrichten zu bringen von einem Ort zum anderen; dieses Leben des Menschen, namentlich in der strahlenden Elektrizität, wird bewirken, dass die Menschen nicht mehr kapieren können diese Nachrichten, die sie so schnell kriegen. Es wirkt auslöschend auf das Kapieren. Es sind heute schon Wirkungen bemerkbar. Sie können heute schon die Bemerkung machen, dass die Menschen Sachen viel schwerer kapieren, die ihnen zukommen, als das noch vor Jahrzehnten der Fall war. Es ist trostvoll, dass man schon immerhin von Amerika her Einsichten verbreitet findet über diese Sachen. Nun ist es ja schon einmal so, wenn irgend was aufkommt, dann gewöhnlich ist es zuerst auch ein Heilmittel. Nachher aber bedienen sich die Propheten auch der Sache. Es ist merkwürdig, dass, wenn irgend was auftritt, dann werden die hellsichtigen Dinge auch auf die menschlichen Dinge reduziert. Da ist ein solcher, der prophezeit den Menschen wild von der Heilkraft der Elektrizität, während es ihm früher gar nicht eingefallen wäre. Und so kommen die Dinge in die Mode. Ebensowenig hat man an Heilungen durch Elektrizität denken können, solange sie nicht da war. Jetzt auf einmal, nicht allein aus dem Grunde, weil sie eben da ist, sondern weil die Dinge in die Mode gekommen sind, deshalb ist sie plötzlich ein Heilmittel. Die Elektrizität ist manchmal nicht viel mehr Heilmittel, wenn man sie als strahlende anwendet, als es ein Heilmittel sein kann, wenn man kleine dünne Nadeln nimmt und sticht. Es ist nicht die Elektrizität, die heilt, sondern die Schockwirkung ist es, die da heilend wirkt. Nun aber darf man nicht vergessen, dass die Elektrizität immer besonders einwirkt auf die höhere Organisation, die Kopforganisation des Menschen und des Tieres, dementsprechend bei den Pflanzen auf die Organisation der Wurzel in außerordentlich starker Weise einwirkt. Wenn man also Elektrizität verwendet in der Weise, dass man da die Nahrungsmittel durchelektrisiert, dann erzeugt man Nahrungsmittel, die allmählich dazu führen müssen, das Tier, das sie genießt, zu sklerotisieren. Das ist ein langsamer Prozess - man wird es zunächst nicht gleich bemerken -, man wird zunächst bemerken, dass in irgendeiner Weise diese Tiere früher verenden, als sie es sollten. Man wird nicht auf die Elektrizität als Ursache kommen, man wird es allem möglichen zuschreiben. Elektrizität ist aber doch einmal nichts, was in das Lebendige hereinwirken sollte und das Lebendige besonders fördern sollte; denn es kann es nicht. Wenn man eben weiß, dass Elektrizität ein Niveau tiefer liegt als das Lebendige, und das Lebendige bestrebt ist, je höher es ist, desto mehr, die Elektrizität abzustoßen – es ist ein Abstoßen –, wenn man das Lebendige nun dazu anleitet, Abwehrmittel dann anzuwenden, wenn gar nichts abzuwehren ist, dann wird das Lebendige nervös und zapplig und sklerotisch nach und nach.