Karl Ballmer: Die moderne Physik ein philosophischer Wert?

Cover


2., erweiterte Auflage 2010, 40 Seiten

EUR 8,- / SFR 11,-

ISBN 978-3-930 964-20-8

Der kurze Text aus dem Jahre 1951 ist eine Beurteilung des (nach Ballmer im beibehaltenen „Trägheitsgesetz“ dokumentierten) weltanschaulichen Gehaltes der modernen Physik – und somit moderner Wissenschaft überhaupt. Denn, so eine spätere Notiz: Ich hege die Überzeugung, dass die großen Entscheidungen in der Physik fallen, indem ich unter Physik das Postulat einer universellen physikalischen Weltanschauung verstehe, die in ihr Problem alle erdenkbaren Probleme der Theologie, Philosophie, Psychologie, Anthropologie, Biologie einschließt.

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Das Abendland hat keine selbständige Wissenschaftstheorie hervorgebracht. Die „exakte Naturwissenschaft“ hat zu den Grundbegiffen, die man von den griechischen Wissenschaftsvätern bezog, keinen einzigen neuen hinzugefügt (ausgenommen Goethes Begriff der Metamorphose). Es musste aus europäischer „Wissenschaft“ exakt soviel wieder herauskommen, als am Beginne die Griechen in sie hineingesteckt hatten.

Die abendländische Physik beruht auf dem einzigen Gedanken, dass Gott nicht ein KÖRPER sei. Das ist der weltanschauliche Gehalt der wissenschaftlichen Physik, der „klassischen“ wie der „modernen“. (…)

Am Beginne der Physik frug man: Wer ist der Garant dafür, dass eine Vielzahl von Körpern (z.B. menschlichen oder planetarischen Körpern) sich in EINER Welt befinden? Man beantwortete die Frage dahin: der Garant für die Eine Welt sei der Raum. Der Gedanke Raum duldet das Außereinander und Nebeneinander der Körper und erstellt zugleich, allerdings nur in einem Gedanken, ihre Einheit. Das Fundament der beginnenden Physik war mithin die Annahme, die Einheit der Welt sei nicht ein Körper (…), sondern sei bloß gedanklicher Art. Diese ursprüngliche Struktur der physikalischen Weltanschauung, als die Annahme, Gott sei nicht Körper, erhielt sich unverändert bis in die gegenwärtige postklassische „moderne“ Physik. Man versteht unter „Welt“ – wie z.B. Prof. Aloys Wenzl, indem er der fortgeschrittensten Physik eine Heimstätte in der altrömischen Metaphysik besorgt – die „Abbildung oder Realisierung eines unanschaulichen mathematischen Gebildes“.